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Die Gefahren des Alkohols für ein Gehirn in Entwicklung

Quand une femme enceinte boit de l’alcool, le fœtus y est exposé aussi, sans pouvoir l’éliminer comme un adulte.

Wenn eine schwangere Frau Alkohol trinkt, exponiert sie damit ihren Fötus im gleichen Ausmass. Allerdings befindet sich sein Organismus erst in Entwicklung und kann deshalb den Alkohol nicht wie eine erwachsene Person abbauen. Diese Belastung kann zu fetalen Alkoholspektrumsstörungen (FASD) führen, die potenziell das Wachstum, die kognitiven Fähigkeiten und das Verhalten beeinträchtigen. In der Schweiz sind jedes Jahr schätzungsweise zwischen 1’700 und 4’000 Neugeborene betroffen, von denen einige eine schwere Form, das fetale Alkoholsyndrom (FAS), entwickeln.

Die Auswirkungen des Alkohols auf das Gehirn in Entwicklung

Die Entwicklung des Gehirns beginnt sehr früh, nämlich bereits in den ersten Schwangerschaftswochen. Mit drei Wochen ist der Embryo noch ein kleiner Zellencluster. Aber mit der Neurulation beginnt sich bereits die erste Struktur zu bilden. Eine Woche später formt sich daraus das Neuralrohr, die embryonale Anlage des späteren Zentralnervensystems. Anschliessend vermehren sich die Neuronen mit einer unglaublichen Geschwindigkeit von bis zu 5’000 pro Sekunde!

«Es gibt keine Gefährdungsschwelle: Ein einziges Glas kann genügen, um die Entwicklung des Gehirns zu beeinträchtigen.» – Dr. med. Nicole Faignart, Neuropädiaterin im Spitalzentrum des französischsprachigen Wallis

Wenn während der Schwangerschaft Alkohol getrunken wird, kann dieser die Entwicklung in verschiedenen Stadien mit unterschiedlichen Auswirkungen beeinträchtigen.

  • Im ersten Quartal der Schwangerschaft: Der Alkohol kann zu Fehlbildungen des Gesichts, des Gaumens, der Augen, der Nieren und des Herzens führen, da sich diese Organe in voller Ausbildung befinden.
  • Im zweiten Quartal der Schwangerschaft: Der Alkohol beeinträchtig die neuronale Migration und hindert gewisse Zellen daran, an ihre endgültige Position zu gelangen, was die neuronalen Verbindungen im Gehirn beeinträchtigt.
  • Im dritten Quartal der Schwangerschaft: Der Alkohol beeinträchtigt die Gehirnreifung, indem er die Bildung von Myelin verlangsamt. Diese Substanz ermöglicht den Neuronen, die Informationen rasch weiterzuleiten. Er beeinträchtigt ebenfalls den Blutkreislauf im Gehirn und verschärft die natürliche Zerstörung gewisser Nervenzellen (programmiertes Absterben der Neuronen).

Die fetalen Alkoholspektrumsstörungen (FASD) können zahlreiche Komplikationen wie Fehlbildungen des Gehirns oder Entwicklungsstörungen hervorrufen. Sie können zu Wachstumsstörungen, Gesichtsanomalien und Beeinträchtigungen des Zentralnervensystems führen, indem sie motorische, kognitive und verhaltensmässige Funktionen beeinträchtigen. Da es sich um ein Spektrum handelt, leidet jedes betroffene Kind an unterschiedlichen und mehr oder weniger intensiven Symptomen. In den schwersten Fällen spricht man vom fetalen Alkoholsyndrom (FAS). Es handelt sich um die schwerste Art von FASD mit ausgeprägten Wachstumsstörungen, typischen Gesichtsauffälligkeiten und irreversiblen neurologischen Läsionen, die das Leben des Kindes stark beeinträchtigen.

Eine komplexe Diagnose und kaum Lösungen

Die Diagnose der FASD beruht hauptsächlich auf einer klinischen Evaluation, also auf der Beobachtung der sichtbaren Anzeichen und des Verhaltens des Kindes. Zu den wichtigsten Indikatoren gehört eine Wachstumsstörung. Das Kind ist kleiner und leichter als Gleichaltrige. Gesichtsauffälligkeiten sind ebenfalls ein wichtiges Anzeichen, das den Ärzten Hinweise gibt: Einige Kinder haben kleinere Augen oder ein besonders glattes Philtrum (Zone zwischen Nase und Oberlippe). Schliesslich kann das Zentralnervensystem, insbesondere das Gehirn, beeinträchtigt werden, was zu Entwicklungsstörungen wie Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefizit, Lernschwierigkeiten oder motorischen Problemen führt.

Es gibt keinen einfachen biologischen Test, um diese Diagnose zu bestätigen. Die Ärzte stützen sich deshalb auf die Gesamtheit dieser Elemente, um ihre Diagnose zu stellen. Gegenwärtig laufen Studien über die Verwendung der pränatalen MRI (Magnetresonanztomographie) zum Nachweis von Anomalien im Gehirn des Fötus. Dieser Ansatz befindet sich jedoch noch im Versuchsstadium. Die Diagnose der FASD beruht deshalb auf einer aufmerksamen Beobachtung und auf präzisen klinischen Evaluationen, verbunden mit einer sehr einfühlsamen Anamnese der Schwangerschaft.

Risikofaktoren für einen Alkoholkonsum während der Schwangerschaft

In Europa bestehen mehrere Risikofaktoren für einen Alkoholkonsum während der Schwangerschaft. Diese Faktoren, die oft miteinander verbunden sind, können den Alkoholkonsum von schwangeren Frauen beeinflussen:

  • Frauen im Alter unter 30 Jahren
  • Punktueller Konsum grosser Alkoholmengen (Binge Drinking)
  • Hohes sozialökonomisches Niveau
  • Kein Migrationshintergrund
  • Drogen- oder Tabakkonsum
  • Ledig oder Leben in Partnerschaft ohne Heirat
  • Partner, der Alkohol oder Drogen konsumiert (soziales Trinken)
  • Psychiatrische oder traumatische Vorgeschichte

Eine Schlüsselbotschaft: die Prävention

«Respekt vor der Wahl, keinen Alkohol zu trinken, bedeutet auch, die Frau von einem sozialen Druck zu befreien, der allzu oft verharmlost wird.» – Dr. med. Nicole Faignart, Neuropädiaterin im Spitalzentrum des französischsprachigen Wallis

Im Gegensatz zur verbreiteten Meinung gibt es für den Alkoholkonsum während der Schwangerschaft keine Schwelle «ohne Gefahr». Auch eine geringe Menge an Alkohol kann für die Entwicklung des Fötus schwerwiegende Folgen haben. Die einzige wirksame Prävention bleibt deshalb die vollständige Alkoholabstinenz ab dem Zeitpunkt des Kinderwunsches.

Die Sensibilisierung und die Information der Öffentlichkeit über die Risiken in Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum während der Schwangerschaft sind ausschlaggebend, um die Fälle von fetalen Alkoholspektrumsstörungen zu reduzieren und das Wohlergehen des ungeborenen Kindes zu schützen.

Marine Lanzi

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