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Malévoz während der Kriegszeit: ein Gedächtnis, das man hören kann

«Die Repond-Berichte: die Geschichte eines Schweizer Psychiatriespitals während des Zweiten Weltkriegs» – Das Kulturquartier veröffentlicht seine ersten historischen Podcasts: sechs Folgen einer Dokumentarserie über die Arbeitsweise eines Psychiatriespitals während des Zweiten Weltkriegs und den besonderen Charakter von Malévoz in der Psychiatrie dieser Zeit.

Ein «Museum, das man hören kann»

Die sechs Folgen sind von Pavillon Nomade – dem Vereinsradio des Kulturquartiers von Malévoz– nach einer Idee des Soziologen und Historikers Gabriel Bender produziert und vom Radiofachmann und Podcast-Spezialisten Gérald Wang realisiert worden. Seit mehr als 15 Jahren wird über die Gründung eines Psychiatriemuseums gesprochen. Es wird «ein Museum, das man hören kann», erwähnt Gabriel Bender.

Unerschlossene Archive

Alles begann damit, dass im Untergeschoss des Spitals und in verschiedenen kantonalen und eidgenössischen Beständen die Berichte des Psychiaters André Repond, von 1916 bis 1961 Direktor des Psychiatriespitals Malévoz, entdeckt wurden. In jeder Folge des Podcasts werden die Repond-Berichte mit Medizinhistorikern oder Soziologen entschlüsselt. Sie zeigen die Organisation der Psychiatrie, die Art der Versorgung und die Probleme während des Zweiten Weltkriegs auf.

Malévoz pendant la Guerre

Eine detaillierte Chronik des Lebens in Malévoz

In den Unterlagen, die der Arzt André Repond der Aufsichtskommission des Spitals zustellte, ist das Leben der Institution detailliert dargestellt: die medizinischen Statistiken, die Wetterbedingungen, die Produktion des Bauernhofs, usw. Ein richterlicher Bericht analysiert die Tatbestände und Handlungen eines jungen Straftäters, der aus den Lagern der Armee Sardinen und Zucker gestohlen hatte. Einem Arztbericht ist zu entnehmen, dass in Malévoz Elektroschocks eingeführt wurden. Ein Bericht an die Bundesverwaltung spricht von der Hospitalisation von Edda Ciano, Tochter von Mussolini und Gattin des Ministers für auswärtige Angelegenheiten des faschistischen Regimes. «Aus psychiatrischer Sicht ist klar, dass die Familie Mussolini erblich belastet ist», schreibt André Repond. «Mussolini selbst war immer nervös, impulsiv, emotional […].»

Die Podcasts sind mit der Unterstützung der Familienstiftung Sandoz realisiert worden.


Podcasts: Pavillon nomade – Malévoz während der Kriegszeit

Le Temps hat den Podcasts von Pavillon Nomade und der Geschichte der Psychiatrie Ende August 2025 eine Doppelseite gewidmet. Die sechs Folgen stehen auf der Website von Pavillon Nomade – pavillonnomade.ch – und auf Plattformen wie Spotify zur Verfügung.

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