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Im Zentrum des Gedächtnisses: die Rolle des Neuropsychologen

In der Memory Clinic der Klinik Saint-Amé in Saint-Maurice empfängt die Neuropsychologin Camille Seiler Patientinnen und Patienten, die angesichts ihrer Beschwerden oft beunruhigt sind. Mit kognitiver Evaluation und menschlicher Unterstützung arbeitet sie daran, den betroffenen Personen wieder Sinn und Orientierung zu vermitteln. Manchmal muss sie auch einfach nur beruhigen.

Ein Beruf an der Kreuzung der Disziplinen

Ich habe die Neuropsychologie gewählt, weil sich hier Psychologie, Neurowissenschaft und Medizin überschneiden.

Camille Seiler hat ihren Platz in der Neuropsychologie gefunden. Dieser Bereich ermöglicht ihr, die Kenntnis des Gehirns mit der Betreuung von Personen zu verbinden.

In der Memory Clinic arbeitet sie eng mit Neurologen, Geriatern, Psychiatern, Ergotherapeuten und Psychotherapeuten zusammen. «Wir tauschen uns oft aus. Dadurch wird die Arbeit besonders bereichert.»

Hinter den Tests eine Begegnung

Auch wenn ihre Rolle die Evaluation der kognitiven Funktionen beinhaltet, betont Camille: «Das ist nur ein Teil der Arbeit.» Das Wesentliche befindet sich an einer anderen Stelle. «Es geht um die Betreuung, die Erklärungen und Lösungen, die man vorschlägt.» Denn die Patientinnen und Patienten kommen oft mit sehr konkreten Ängsten. «Viele befürchten, dass sie Alzheimer haben, weil sie einen Vornamen vergessen.» Ihre Aufgabe besteht dann darin, zu differenzieren, Zusammenhänge zu erläutern und zu beruhigen. Es ist normal, dass man mit zunehmendem Alter gewisse Dinge vergisst. Das deutet nicht unbedingt auf eine neurodegenerative Erkrankung hin.

Einfache Instrumente für den Alltag

Ein Notizbuch. Ein Terminkalender. Eine Routine. Man könnte meinen, dass der Kampf gegen die Gedächtnisstörungen komplexe Instrumente erfordert. Camille ist vom Gegenteil überzeugt.

Wenn es für die Person keinen Sinn ergibt, funktioniert es nicht.

Kein standardisiertes Programm, keine aufgedrängten Übungen, sondern personalisierte Strategien, die im Alltag der Patientinnen und Patienten verankert sind. «Wenn man sein Gedächtnis stimulieren will, muss man aktiv, neugierig und engagiert bleiben», ruft die Neuropsychologin in Erinnerung.

Besser vorbeugen als leiden

Bis zu 40 % der Demenzfälle könnten mit veränderbaren Risikofaktoren in Zusammenhang stehen.

Es ist eine überraschende Zahl. Aber die Forschung ist heute klar. Körperliche Bewegung, Schlaf, soziale Beziehungen, Ernährung, intellektuelle Neugier: das sind konkrete Instrumente, die allen zur Verfügung stehen. Camille ruft es in jeder Sprechstunde in Erinnerung. Es ist eine Art Leitfaden. «Zu seiner Gesundheit Sorge tragen heisst auch, sein Gehirn pflegen.»

Prägende Begegnungen

Die Patientinnen und Patienten kommen mit ihren Sorgen und Fragen. Manchmal gehen sie sogar mit einem Lächeln und einigen Antworten. «Sie werden sich bewusst, dass alles nicht so schlimm war.»
Aber manchmal belasten die Situationen stärker, zum Beispiel bei schweren Diagnosen oder jungen Patientinnen und Patienten. «Im Alter meiner Eltern… das berührt sehr.»

Abgesehen von der Diagnose erzählt jede Sprechstunde eine Geschichte. Während einer Bilanz kommt ein ganzes Leben zum Vorschein. «Innerhalb von zwei Stunden werden oft persönliche Situationen angesprochen und es entsteht ein Vertrauensverhältnis.»

Eine einfache Botschaft

Eine einfache, aber wesentliche Botschaft: auf sich selbst achten und im Zweifelsfall eine Fachperson aufsuchen. Für Camille ist die Prävention wesentlich geprägt von Zuhörbereitschaft und Antizipation. «Sich um seine Gesundheit kümmern bedeutet auch, sein Gedächtnis erhalten», fasst sie zusammen.

Links
Centre de la mémoire – Hôpital du Valais
Memory Clinic – Spital Wallis

Francesca Genini-Ongaro

Kommunikationsspezialist

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