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Eine schöne Überraschung in der Klinik Saint-Amé

An einem sonnigen Nachmittag Ende März hat sich in den üblicherweise stillen Gängen der Klinik Saint-Amé eine spezielle Energie entwickelt. Die Gesellschaft Ah Blabla hat den Patientinnen und Patienten der Abteilung Geriatrie eine unerwartete Darbietung mit Musik, Literatur und Humor geboten.

Eine Wanderbühne in den Gängen

Bereits bei ihrer Ankunft machen sich die Künstler bemerkbar. Ihre Installation weckt die Neugier: ein Garderobenständer auf Rädern, umgewandelt in eine mobile Perkussion, ausgestattet mit Tellern, Triangeln, Glöcklein und ausgefallenen Gegenständen. Sehr rasch wird die Neugier grösser. Die Patientinnen und Patienten verlassen ihre Zimmer und begeben sich in die kleinen Wohnräume des Stockwerks.

Literarische Häppchen, um die Freude am Lesen zu wecken

Den Gästen wird ein originelles «Menü» vorgeschlagen: literarische Auszüge, Lieder und kleine Theaterstücke. «Was hätten Sie gerne? “Don Qujiote”, “La colère des aubergines”, “Der eingebildete Kranke” oder “Pinocchio”?» fragt der Schauspieler Frédéric Lugon schalkhaft. Im ersten Stockwerk hat der berühmte Hampelmann grossen Erfolg.

Aber diese «literarischen Häppchen» sind viel mehr als ein einfaches Vorlesen. Akkordeon, Perkussion und ungewöhnliche Instrumente bereichern die Stimmung und verleihen jeder Erzählung eine besondere Note. Wie im Restaurant, wo man nur ein Häppchen serviert, um den Appetit anzuregen, wird hier nur der Beginn der Geschichte erzählt. Der weitere Verlauf und das Ende werden bewusst ausgeklammert. Ziel: die Neugier wecken, die Freude an den Wörtern und am Lesen vermitteln. 

Bei Personen, die ihr Zimmer nicht verlassen können, begeben sich die Künstler direkt ins Zimmer. Überall kommt es zu spontanen und ehrlichen Gesprächen.

Begegnungen, Lächeln und Erinnerungen

«Guten Tag, wie heissen Sie? » fragt Frédéric Lugon einen Mann. «Ich heisse Innocent», antwortet der Patient. «Oh, die Unschuldigen (innocents) sind selten!», erwidert er mit einem schelmischen Lächeln.

Zwischen Vorlesen, Gesang und musikalischer Improvisation knüpfen die Künstler vergängliche, aber wertvolle Beziehungen. Die Reaktionen lassen nicht auf sich warten: zaghaftes oder offenes Lachen und sogar schallendes Gelächter.

Manchmal werden auch Lebensgeschichten enthüllt. So erkennt ein Patient sofort die Stimmlage der Schauspielerin und Sängerin Jacynthe Lamon: «Sie sind eine Mezzosopranistin.» «Sie haben ein gutes Ohr!», antwortet sie ihm lächelnd. «Ich habe mein Leben lang in einem Chor gesungen», vertraut er ihr stolz an.

Viel mehr als ein Theater

Abgesehen von der Performance handelt es sich um eine richtige Begegnung. Ein kurzer Unterbruch des Alltags, bei dem Erinnerungen wach werden, Wörter eine Beziehung knüpfen und der Humor wieder eine gewisse Leichtigkeit verbreitet.

Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Schnelligkeit, mit der sich die Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen berühren liessen. Schon in den ersten Momenten hellen sich die Gesichter auf, die Körper öffnen sich. Eine Patientin, die sonst schwer zugänglich ist, hat sich regelrecht verwandelt: Ihr Gesicht strahlte und ihre Dankbarkeit war während der ganzen Darbietung spürbar.
Einfache Momente des Austauschs, aber reich an Bedeutung.

José Iglesias,  Pflegeleiter des Pools Geriatrie und Palliativpflege des Spitalzentrums des französischsprachigen Wallis (CHVR)

Diese künstlerischen Interventionen erinnern uns daran, dass das Leben auch im Spital weitergeht. Es verändert sich, passt sich an, ist aber in einem Blick, in einem Lächeln, in einer Melodie immer noch präsent. Dank der Gesellschaft Ah Blabla verändert sich das Leben an diesem Nachmittag in jedem Zimmer. Die Künstler bringen einen Hauch von Frische und Menschlichkeit in den Spitalalltag.

Francesca Genini-Ongaro

Kommunikationsspezialist

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