Hinter den Gedächtnisstörungen und den altersbedingten Beschwerden verstecken sich Leben voller Erfahrungen und Erinnerungen. «Ich werde dort nie arbeiten.» Das dachte Émilie Savioz über der Psychogeriatrie, als sie noch studierte. Einige Jahre später ist dieses Fachgebiet zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Sie hat einen Beruf ohne Routine entdeckt, geprägt von täglichen Herausforderungen und unvergesslichen Gesprächen.
Lebensgeschichten
Die Psychogeriatrie nimmt Personen ab dem Alter der Pensionierung auf, die unter psychischen oder neurokognitiven Störungen leiden. Depression, manisch-depressive Erkrankung, Psychosen, Alzheimer oder andere Formen von Demenz: Die Situationen sind sehr unterschiedlich und komplex.
Für die Teams besteht die Herausforderung nicht nur in der Psychiatriepflege. Die Patientinnen und Patienten leiden oft gleichzeitig unter mehreren Gesundheitsproblemen. Dazu kommen manchmal noch Verhaltensstörungen, Angstzustände, Desorientierung oder ein progressiver Verlust an Autonomie.
Aber für Émilie Savioz, Verantwortliche der Pflegestation in der Psychogeriatrie, sind es vor allem die Personen selbst, die den Berufsalltag prägen.
Wenn Sie mit jemandem sprechen, der in den 1930er-Jahren geboren ist, erhalten Sie einen unglaublich reichhaltigen Blick auf die Welt.»
Erzählungen über den Krieg, die Veränderungen der Gesellschaft, die Umwälzungen im letzten Jahrhundert: Diese Gespräche verleihen der Patientenbeziehung eine besondere Tiefe.
Wenn das Gedächtnis erlischt
Die neurokognitiven Störungen machen heute einen wichtigen Teil der Tätigkeit der Abteilung aus.
Zu Beginn der Erkrankung sind sich gewisse Patientinnen und Patienten ihrer Probleme bewusst. Sie vergessen Termine, haben Mühe, sich zu organisieren oder verlieren bei vertrauten Arbeiten die Orientierung. Dieses Bewusstsein führt oft zu einem grossen Leidensdruck.
Sie merken, dass sie ihr Gedächtnis verlieren und sich nicht mehr so gut organisieren können wie früher. Das macht ihnen grosse Angst.
Bei fortschreitender Erkrankung betreffen die Schwierigkeiten auch den Alltag, die Antizipation, die Empfindungen und die Beziehungen zum Umfeld. Gewisse Personen können mit einer geeigneten Begleitung noch nach Hause zurückkehren. Andere benötigen eine intensivere Betreuung, manchmal im APH.
Angesichts dieser Situationen müssen die Tems über eine Qualität verfügen, die selten geworden ist: Zeit.
Ein Beruf ohne Routine
Im Gegensatz zu gewissen Meinungen ist die Psychogeriatrie keineswegs ein starres Universum.
«Es wird einem dort nie langweilig», bestätigt Émilie Savioz. Ein Tag kann sich innerhalb von wenigen Minuten vollständig verändern: Ein Patient mit einer Krise, ein medizinischer Notfall, eine heikle familiäre Situation oder ein abwesender Kollege genügen, damit das ganze Programm neu organisiert werden muss.
Die Leute verbinden Dynamik oft mit den Notfallstationen, aber die Psychogeriatrie ist ebenso lebhaft.
Denn hinter jeder Zimmertür versteckt sich eine einmalige Geschichte, eine andere Herausforderung und eine besondere Art, mit den Personen eine Beziehung aufzubauen.
Betreuen bis zum letzten Atemzug
Unter den Erlebnissen, die ihre Berufslaufbahn prägten, sticht eines besonders hervor.
Es handelt sich um eine Patientin, die sie während langer Zeit betreute und die ihr Leben in der Abteilung abschloss.
Als sie im Sterben lag, konnte ihr Mann nicht anwesend sein und Émilie Savioz beschloss, bei ihr zu bleiben.
Ich wollte nicht, dass sie allein aus dem Leben schied.
Eine Erinnerung voll von Emotionen, die sie jedoch mit Gelassenheit erzählt. «Für mich war es eine grosse Ehre, sie bis zum Ende begleiten zu dürfen.» In diesen Momenten erhält die Rolle der Gesundheitsfachperson eine besondere Dimension. «Man pflegt nicht mehr einfach eine Patientin. Man begleitet eine Person mit ihrer ganzen Geschichte bis zum Ende.»
Eine Lebensschule für die jungen Gesundheitsfachpersonen
Alle, die noch zögern, lädt Émilie Savioz ein, die Psychogeriatrie zu entdecken.
Sie kennt die Vorurteile rund um dieses Fachgebiet, die sie früher selbst auch hatte. Aber hinter dem manchmal düsteren Bild des hohen Alters versteckt sich ein aussergewöhnliches Lernfeld.
Mitgefühl, Kommunikation, klinische Beobachtung und Analyse, Bewältigung komplexer Situationen und vernetzte Arbeit: Hier werden zahlreiche Kompetenzen entwickelt.
Wenn Sie in der Psychogeriatrie gearbeitet haben, können sie anschliessend praktisch überall arbeiten.
Im Zusammenhang mit der Überalterung der Bevölkerung nehmen die Bedürfnisse immer stärker zu. Aber abgesehen von den Zahlen und den Herausforderungen für das öffentliche Gesundheitswesen ist die Psychogeriatrie für Émilie Savioz in erster Linie eine Geschichte von Begegnungen und unglaublichen Lebensgeschichten.






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