In den Kompetenzzentren Psychiatrie und Psychotherapie (CCPP) von Martinach und Monthey geht es nicht nur um Gesprächstherapie. Für gewisse Personen beginnt der Weg zu einer Verbesserung des Wohlbefindens mit einer Bewegung, einer Empfindung oder einfach mit der Erfahrung, dass der Körper nicht mehr als Last, sondern als Verbündeter empfunden wird. Aber woraus besteht diese Therapie, die auf der Psychomotorik beruht? Erläuterungen von Amandine Balet, Psychomotoriktherapeutin im Spitalzentrum des französischsprachigen Wallis (CHVR).
Der Körper als Zugang zur Selbstwahrnehmung
Die Psychomotorik nimmt in der Psychiatriepflege eine einzigartige Stellung ein. Dort, wo das Gespräch oft im Zentrum des therapeutischen Ansatzes steht, bietet sie eine andere Eingangstür an: die Bewegung, die Empfindungen, die körperliche Erfahrung.

Bei diesem Ansatz geht es um die Beziehung der Personen zu ihrem Körper und um die Person in ihrer Gesamtheit
Ihre Arbeit ist Bestandteil einer interdisziplinären Versorgung. Bei gewissen Patientinnen und Patienten interveniert sie einmal pro Woche. Dabei stützt sie sich stark auf die Versorgungsteams ab. «Die Pflegefachpersonen kennen die Patientinnen und Patienten am besten, da sie diese jeden Tag sehen. Ihre Beobachtungen sind für den Aufbau der therapeutischen Arbeit sehr wertvoll.»
Bewegen, um zu empfinden
In den Gruppen, die sie betreut, findet Bewegung in allen möglichen Formen statt. Boxen, Körperausdruck, Theater, Tanz, Spiele oder Bewegung zur Musik: Mit diesen Bewegungsformen kann die Beziehung zu sich selbst und zu den Mitmenschen auf eine andere Art erforscht werden.
Aber hier gibt es kein starres Programm.
Ich habe keine Tätigkeitsliste, die diesem oder jenem Ziel entspricht. Alles entwickelt sich gemeinsam mit den betroffenen Personen, mit ihrer Energie, ihren Vorlieben und ihren aktuellen Fähigkeiten.
Dieselbe Erfahrung kann so mehrere, ganz unterschiedliche Zugänge öffnen. Aufgrund der individuellen Bedürfnisse kann bei einer Führung mit geschlossenen Augen am Vertrauen, an der Verankerung, an den Empfindungen oder an der Beziehung zu den Mitmenschen gearbeitet werden.
Die Bedürfnisse der Personen als Ausgangspunkt
In erster Linie versucht Amandine Balet zu verstehen, was für die Person, die sie betreut, wichtig ist. «Ich weiss, dass Sie Ihre Geschichte meinen Kolleginnen und Kollegen bereits erzählt haben», sagt sie oft bei der ersten Begegnung. «Aber was möchten Sie heute? Was haben Sie nötig?»
Diese Frage kann schon einen Zugang öffnen. «Die Leute können oft einen Hinweis darauf geben, was ihnen helfen könnte», beobachtet sie. Sogar ein Vorbehalt kann zu einem unterstützenden Element werden. Wenn eine Person behauptet, dass sie nicht gerne meditiert oder vor anderen Personen Bewegungen ausführt, geht es nicht darum, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Es geht darum, zu verstehen, was das über ihre Erfahrungen und ihre Bedürfnisse aussagt.
Bereits bestehende Ressourcen
In einem psychiatrischen Kontext ist es einfach, den Blick auf den Leidensdruck zu richten. Amandine Balet versucht jedoch herauszufinden, was trotz der Krise noch lebendig ist. «Sogar in einer grossen Notlage verfügen die Personen über erstaunliche Ressourcen», betont sie. Diese Feststellung leitet ihre tägliche Arbeit. Statt ständig nach neuen Lösungen zu suchen, beginnt sie bei dem, was der Person bereits in schwierigen Zeiten geholfen hat.
Wenn jemand heute hier ist, hat er irgendwann bereits Lösungen gefunden, um durchzuhalten. Unsere Arbeit besteht oft darin, diese Stützen wiederzufinden und zu stärken.
Wenn es schwierig wird, im eigenen Körper zu leben
In der Psychiatrie ist die Beziehung zum Körper häufig völlig verändert. In der Depression kann der Körper schwer, kräfteraubend, beinahe fremd sein. Sich waschen, aus dem Haus gehen oder sich einfach nur bewegen kann sehr anstrengend sein. «Man liebt seinen Körper und manchmal auch sein Erscheinungsbild nicht mehr», fasst die Psychomotoriktherapeutin zusammen. Die Angst drückt sich oft in Spannungen, Schmerzen oder überwältigenden Empfindungen aus, die den ganzen Raum einnehmen. «In ihrem Leidensdruck verdrängen manche Personen ihre Empfindungen, um sich zu schützen», erklärt Amandine.
Sich seinen Körper wieder aneignen
Die Arbeit beginnt also mit kleinen Dingen. «Das Ziel ist nicht, sich sofort wieder wohlzufühlen», präzisiert Amandine Balet. «Es geht vorerst darum, während einer kurzen Zeit, in der man sich in seinem Körper etwas wohler fühlt, seine Erfahrungen zu erleben.»
Ein wohlriechender Duft, der Kontakt mit dem Gras unter den Füssen, eine Musik, ein Bild oder eine angenehme Empfindung können zum Ausgangspunkt werden. Anscheinend unbedeutende Details können schrittweise wieder eine Tür öffnen.
Wenn es uns schlecht geht, verlieren wir oft viele Ressourcen. Die Arbeit besteht darin, diese wieder zu finden oder neue zu entdecken.
Wieder lernen zu empfinden
Für die Psychomotoriktherapeutin besteht das Ziel nicht darin, um jeden Preis ein permanentes Wohlbefinden zu suchen.
«Ich fühle mich auch nicht jeden Tag gut. Das ist menschlich», ruft sie in Erinnerung. Die Herausforderung ist eine andere: sich wieder mit dem verbinden, was man wirklich fühlt.
Wieder eine ehrliche Beziehung zu sich selbst finden. Spüren, wenn es einem schlecht geht. Spüren, wenn es einem gut geht.
Diese Fähigkeit, seine eigenen Anzeichen wahrzunehmen, wird anschliessend zu einer wertvollen Ressource, wenn es darum geht, Grenzen zu setzen, sich für etwas zu entscheiden und sich zu bestätigen.
Die Kraft der kleinen Siege
Amandine ist von vielen Behandlungen geprägt worden. Sie erwähnt einen Patienten, der früher körperlich sehr aktiv war, aufgrund seiner Erkrankung jedoch auf seine Lieblingstätigkeiten verzichten musste. Im Verlauf der Sitzungen kam wieder etwas in Bewegung.
«Schrittweise fand er in ganz einfachen Erfahrungen wieder positive Empfindungen», erzählt sie. Eines Tages vertraute er ihr an, dass er wieder ähnliche Empfindungen wie damals in den Bergen hatte. Nicht bei einem Aufstieg, sondern beim geleiteten Laufen mit nackten Füssen und geschlossenen Augen. Von aussen fast nicht wahrnehmbare Empfindungen. Für ihn stellten sie jedoch die Möglichkeit dar, sich wieder mit einem Teil von ihm selbst zu verbinden, von dem er glaubte, dass er verloren war.
Den individuellen Rhythmus respektieren
Nicht alle Patientinnen und Patienten sind bereit, diese Arbeit zum gleichen Zeitpunkt zu leisten.
Manchmal ist es einfach zu früh.
Dann darf man nicht forcieren. Man muss annehmen, zuhören und langsamer voranschreiten. Denn im Grunde genommen beruht die Psychomotorik vielleicht auf der folgenden, entscheidenden Idee: eine Person dort begleiten, wo sie sich heute befindet, mit ihrer Geschichte, ihren Widerständen, ihren Ressourcen und in ihrem Rhythmus. Und ihr ermöglichen, schrittweise wieder eine lebendigere Beziehung zu sich selbst zu finden.






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