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Organspende: dafür oder dagegen? Das spielt keine Rolle, aber sprechen Sie darüber!

Raymond Friolet - Don d'organes

In der Schweiz sterben jährlich 100 Personen aufgrund fehlender Organe und über 1’400 Patienten warten auf eine Transplantation. Nur 400 bis 500 Personen können jedes Jahr transplantiert werden.

Dr. Raymond Friolet, Chefarzt und Leiter der Abteilung Intensivmedizin des Spital Wallis und Mitglied der Kommission der Stiftung Swisstransplant, beantwortet einige Fragen in Bezug auf die Organspende.

Weshalb ist es wichtig, sich für oder gegen eine Spende seiner Organe auszusprechen?

In der Schweiz sterben jede Woche zwei Personen, weil keine Organe zur Verfügung stehen. Auch wenn ein grosser Teil der Bevölkerung der Organspende positiv gegenübersteht, gibt es zu wenige Personen, die ihren Entscheid kommunizieren.

Für die Angehörigen ist es schwierig, einen Entscheid zu treffen. Da sie den Wunsch der verstorbenen Person nicht kennen, sprechen sie sich oft gegen eine Organspende aus.  Deshalb ist es wichtig, Ihren Angehörigen Ihre Wahl mitzuteilen, um den Trauernden einen schmerzhaften Entscheid zu ersparen, aber auch, damit Ihr Wille respektiert wird.

Wer kann seine Organe spenden?

Jede Person kann ihre Organe spenden, unabhängig davon, ob sie gesund oder krank ist (mit seltenen Ausnahmen in den Bereichen Onkologie oder Infektionen). Es ist wichtig zu wissen, dass es keine Altersgrenzen gibt.

Welche Organe und Gewebe können gespendet werden?

Sechs Organe können transplantiert werden:

  • Herz
  • Lunge
  • Leber
  • Niere
  • Bauchspeicheldrüse
  • Dünndarm

Zusätzlich können folgende Gewebe transplantiert werden:

  • Hornhaut
  • Gehörknöchelchen
  • Knochen
  • Herzklappen
  • Gefässe
  • Haut

Ein einziger Spender kann bis zu sieben Personen retten.

Was beinhaltet das nationale Register, welches seit dem 1. Oktober 2018 zur Verfügung steht?

Die nationale Stiftung für Organspende und Transplantation hat das nationale Register geschaffen, um der Bevölkerung eine modernere Version der Spendekarte anzubieten. Es handelt sich um eine gesicherte Online-Datenbank, in der die persönliche Entscheidung, ob Organe und/oder Gewebe gespendet werden oder nicht, eingetragen werden kann. Die früheren Spendekarten behalten allerdings ihre Gültigkeit.

Was ist der Vorteil eines Eintrags im nationalen Register?

Das Register ermöglicht jederzeit den Zugang zum Willen des Patienten. Die Spendekarte hingegen ist in kritischen Momenten nicht immer verfügbar. Mit dem Eintrag im nationalen Organspenderegister haben Sie die Gewissheit, dass ihr Wille bekannt ist und respektiert wird. Ausserdem können Sie Ihren Entscheid jederzeit ändern.

Unabhängig von einem Eintrag im Register findet immer ein Gespräch mit den Angehörigen statt.

Wird meine Behandlung früher abgebrochen, wenn ich meine Organe spenden möchte?

Die Priorität der Ärzte besteht immer in der Rettung von Leben. Die therapeutischen Massnahmen werden nur eingestellt, wenn es keine Hoffnung mehr auf ein Überleben gibt (Hirntod oder irreversibler Herzstillstand). Das Einstellen der Behandlung erfolgt unabhängig vom Entscheid der verstorbenen Person für oder gegen eine Organspende.

Steht die Schweiz in Bezug auf die Organspende schlecht da?

In Frankreich gibt es auf eine Million Einwohner 28 Spender, in Italien 24, in Österreich 25 und in Spanien 43. In der Schweiz gibt es nur 17 Spender auf eine Million Einwohner. Gemäss Swisstransplant würden jedoch 80% der Schweizer Bevölkerung einer Organspende positiv gegenüberstehen. Die Schweiz besitzt also ein grosses Entwicklungspotenzial.

Mehr Infos : Organspende: klare Willensäusserung dank nationalem Register

Swisstransplant : Entscheid direkt eintragen

Haben Sie andere Fragen? Zögern Sie nicht, diese im Kommentar zu stellen.

Über den Autor/die Autorin

Jessica Salamin

Collaboratrice communication - Spécialisée médias sociaux

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