Prävention & Beratung

Paracetamol: macht die Dosis das Gift aus?

Paracétamol - Paracetamol

Nicolas Donzé, Toxikologe im Zentralinstitut der Spitäler, präzisiert einige Elemente in Bezug auf Paracetamol, das Medikament, welches in unserer Gesellschaft am häufigsten verwendet wird.

Paracetamol ist auch bekannt unter den Bezeichnungen Doliprane, Dafalgan oder Efferalgan und wird von den Patienten oft als ein absolut gefahrloses Medikament betrachtet, das man deshalb ohne Einschränkungen einnehmen kann. Es gehört weltweit zu den am häufigsten eingesetzten Schmerzmitteln. Da es im freien Verkauf erhältlich ist, nehmen die Konsumenten an, dass es harmlos ist und wie Süssigkeiten konsumiert werden kann.

Paracetamol ist jedoch giftig, insbesondere für gewisse Personen, wie Patienten mit Übergewicht und/oder Fettleibigkeit, Alkoholiker oder Personen mit schlechter Ernährung.  Wenn es im Übermass eingenommen wird, kann es zu einer schweren Lebervergiftung führen.

In den Notfallstationen des Spital Wallis wird Paracetamol bei 27 % der Patienten nachgewiesen, für die ein toxikologisches Screening verlangt wird.

Geschichte des Paracetamol: Irren ist menschlich, aber…

Paracetamol soll das Ergebnis einer Folge von Fehlern und falschen Entscheidungen sein, die zu seiner Nutzung in der aktuellen Form geführt haben. Die Geschichte des Paracetamols beginnt anscheinend 1884 in einer Klinik in Strassburg. Zwei junge Assistenten fragten ihren Chef um Rat bei der Behandlung eines Patienten mit verschiedenen Pathologien. Unter anderem litt er auch unter einem Befall mit Darmparasiten. Empfohlen wurde ihnen die Verordnung eines zu jener Zeit bekannten Darmantiseptikums: Naphtalin. Nach der Einnahme dieses Moleküls wurde, abgesehen von einer Fiebersenkung, keine Verbesserung des Zustands festgestellt. Überrascht fragten die beiden Assistenten den Apotheker, bei dem sie das Naphtalin bestellt hatten, ob dieses Medikament für seine fiebersenkende Wirkung bekannt sei. Der Apotheker musste anerkennen, dass er ihnen versehentlich ein anderes Molekül, nämlich Acetanilid, gegeben hatte. Sehr überrascht von dieser Wirkung, führten die beiden Assistenten Tierversuche durch. Anschliessend behandelten sie rund zwanzig Patienten, bei denen sich diese fiebersenkende Wirkung bestätigte. Die Begeisterung wurde nur durch die Beobachtung einer erstaunlichen Nebenwirkung etwas getrübt. Es handelte sich um eine Blausucht, die aber als vernachlässigbar eingeschätzt wurde…

Paracetamol: ein Gift?

Seit seiner offiziellen Einführung 1955 ist Paracetamol das am häufigsten verwendete Schmerzmittel. Seit 1966 ist bekannt, dass eine Überdosierung von Paracetamol zu manchmal fatalen Lebernekrosen führen kann. Zudem ist zu beobachten, dass eine normale Einnahme von Paracetamol bei übergewichtigen Patienten oder Alkoholikern Leberschäden hervorrufen kann.

Bei der Einnahme von Paracetamol können insbesondere folgende Nebenwirkungen auftreten: Erhöhung des arteriellen Blutdrucks, Verschlimmerung der Pathologien des Verdauungssystems und Erhöhung des Infarktrisikos.

Aufgrund einer leicht zu erreichenden Überdosierung bei der Einnahme von Paracetamol möchte die amerikanische Lebensmittel- und Medikamentenagentur künftig die empfohlene individuelle Dosis von 1000mg auf 650mg oder sogar auf 325mg senken.

Schwanger? Eine Reflexion ist zwingend nötig!

Paracetamol wird oft von schwangeren Frauen eingenommen. Die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft könnte sich jedoch auf die gesunde Entwicklung des Fötus auswirken. Studien zeigen nämlich, dass Paracetamol bei schwangeren Frauen zahlreiche Gefahren bergen kann, wie eine Fertilitätsstörung bei der Frau und beim Mann, ein erhöhtes Risiko für Asthma und sogar eine Störung der psychosozialen Entwicklung des Kindes. Eine Reflexion ist dringend nötig!

In einer Gesellschaft, in der «alles sofort» sein muss

In unserer «Arzneimittelgesellschaft», in der die chemischen Krücken für unsere täglichen Aktivitäten notwendig sind, fehlt die Geduld und die Zeit, um ein bisschen Fieber und Kopfschmerzen zu verarbeiten und sich auszuruhen. Die Frage «weshalb bin ich krank?»  verschwindet hinter der für die Effizienz wichtigen Frage «wie kann ein Symptom behandelt werden, um weiterarbeiten zu können?».

Auch wenn es manchmal nützlich ist, muss ein Medikament nicht unbedingt notwendig sein, und es ist nur selten DIE LÖSUNG.

Interessiert Sie dieses Thema? Lesen Sie hier (auf französisch) den vollständigen Artikel von Nicolas Donzé, Toxikologe im Zentralinstitut der Spitäler.

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Über den Autor/die Autorin

Jessica Salamin

Collaboratrice communication - Spécialisée médias sociaux

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