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Malévoz: Die «Galerie du Laurier» wird zum Ort des kreativen Schaffens und Wirkens

Laura Ige

Das «Malévoz Quartier Culturel» (MQC) hat sich in den letzten Jahren zu einer festen Grösse in der lokalen und internationalen Kunstszene entwickelt. Es entstand im Jahr 2011 durch die kreative Umnutzung drei leerstehender Gebäude auf dem Gelände des Psychiatriespitals von Malévoz. Dazu gehört auch die ehemalige Lingerie, welche in den letzten Jahren als Kunstgalerie diente und nun zu einem lebendigen Begegnungsort von Künstlern, Patienten und Besuchern werden soll.

Als Galerie bekannt und anerkannt

Die «Galerie du Laurier» war damals das erste konkrete Resultat der Umnutzung der Gebäude. Den Beginn machte im November 2011 die kanadische Künstlerin Sophie Moisan. Ihre Ausstellung trug den Namen «Histoire d’un valaisois». Seither fanden in der Galerie du Laurier rund 50 individuelle und kollektive Ausstellungen mit einem breiten künstlerischen Spektrum statt: Von Skulpturen über Gemälde, Fotografien, Grafikdesign und Videos bis hin zu Musik war alles dabei. Die Künstlerinnen und Künstler stammten aus der ganzen Welt, unter anderem aus Haiti, Nepal, Eritrea, Santo Domingo oder Sambia. Auf diese Weise kamen die Patienten und Mitarbeitenden des Spitals, aber auch Kunstliebhaber von nah und fern in den letzten 10 Jahren in den Genuss so manchen kulturellen Leckerbissens von über 100 Kunstschaffenden verschiedenster Couleur.

«Wir möchten, dass unsere Galerie zu einer festen Grösse in der Kulturlandschaft wird», sagte Gabriel Bender, Leiter der soziokulturellen Abteilung des Spitals und Mitverantwortlicher des Malévoz Quartier Culturel, bei der Eröffnung im Jahr 2011. Dies ist mehr als gelungen: Innerhalb nur weniger Jahre machte sich die Galerie du Laurier in der Kunstszene einen Namen. 2016 wurde sie Teil von LABEL’ART, einem Zusammenschluss verschiedener professioneller privater und institutioneller Galerien im Wallis.

Rückbesinnung und Neuausrichtung

Wieso will man gerade jetzt, wo es so gut läuft, etwas ändern? «Wenn etwas gut läuft, heisst das noch lange nicht, dass man sich auf seinen Lorbeeren ausruhen darf», sagt Gabriel Bender. «Als wir anfingen, gab es noch nicht viele Galerien in der Umgebung. Mittlerweile hat sich das Angebot stark vergrössert, zum Beispiel mit der Galerie du Crochetan und La Fabrik in Monthey oder dem Espace Contre-Contre und der Galerie Oblique in Saint-Maurice. Wir haben deshalb entschieden, uns neu auszurichten und etwas Spezielles anzubieten: ein frei zugängliches Atelier, in dem die Künstler etwas kreieren und ihr Werk – egal ob vollendet oder nicht – direkt vor Ort präsentieren, bevor sie wieder weiterziehen.»

Dadurch könne das Potenzial dieses Ortes viel besser ausgeschöpft werden als bloss durch Ausstellungen. «Wir sind ein atypischer, aber zugleich sehr inspirierender Ort für Kunst. Genau das ist unsere Stärke. Wir bieten den Kunstschaffenden eine Unterkunft und ein Atelier in spezieller Umgebung, umrahmt von viel Walliser Natur. Als Unterkunft dient die Résidence du Torrent, die sich direkt auf Platz befindet. Neben der bereits erwähnten Galerie gibt es auch noch unser Théâtre du Raccot, das für künstlerisches Schaffen ebenfalls sehr geeignet ist. Wir wollen dem Publikum nicht einfach ein fixfertiges Produkt präsentieren, sondern es am gesamten Entstehungsprozess teilhaben lassen. Das Unvollendete soll bewusst auch seinen Platz haben.»

Die Neuausrichtung ist auch eine Rückbesinnung auf die wahre Berufung von Malévoz Quartier Culturel: leerstehende Gebäude mit Leben zu füllen, dem kreativen Schaffen Platz zu geben und sich gegen aussen hin zu öffnen – fernab jeglicher Stigmatisierung und jedes Zwanges. «Wir haben einerseits die Aufgabe, Psychiatrie und Kultur spitalintern zusammenzubringen, andererseits wollen wir uns gegen aussen hin maximal öffnen», bringt es Gabriel Bender auf den Punkt. «In den letzten Jahren haben wir ein dichtes Netzwerk aufgebaut, sowohl lokal als auch international. Seit einigen Jahren pflegen wir auch ganz bewusst den Kontakt mit den Schulen. Kinder, Kollegiumsschüler oder Jugendliche, die ein Motivationssemester absolvieren, sind immer herzlich willkommen, um ein bisschen Kulturluft zu schnuppern», so Gabriel Bender. Die Kunstschaffenden sind als sogenannte «artists in residence» durchgehend vor Ort und haben die Möglichkeit, Workshops, Konzerte oder Aufführungen zu organisieren, so dass es zu einem echten Austausch mit dem Publikum kommt.

Laura Ige: erste Künstlerin, die das Experiment wagt Die Erste, die sich hier für einige Zeit niederlassen wird, ist Laura Ige, eine argentinische Pianistin mit japanischen Wurzeln. Die junge Musikerin hat gerade mit Bestnote an der édhéa (Schule für Gestaltung und Hochschule für Kunst Wallis) abgeschlossen und will in Malévoz an einer Klangkreation für Klavier arbeiten, die sich unter anderem an Rachmaninow und Chopin orientiert. «Es geht nicht darum, ein Chopin-Konzert im klassischen Sinne mit einem klar definierten Anfang und Ende zu geben», erklärt Laura Ige. «Meine Performance ist ein wechselnder Strom von Stimmungen, Wiederholungen und Pausen, in dem der narrative Prozess die allgemeingültigen Aufführungsnormen in den Hintergrund drängt… das Publikum dürfte ziemlich überrascht sein.» Vom 1. Februar bis 30. März können Patienten, Angehörige und interessierte Besucher in der Galerie du Laurier vorbeikommen (Hereinkommen ausdrücklich erlaubt!) und an der Entstehung des Klangwerks von Laura Ige teilhaben.

Über den Autor/die Autorin

Francesca Genini-Ongaro

Collaboratrice spécialisée en communication

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