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Väter immer präsenter und engagierter an der Seite der Mütter bei der Schwangerschaft

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Die Rolle des Vaters bei der Geburt eines Kindes verändert sich laufend. In den letzten Jahren hat sie ständig an Bedeutung gewonnen. Die kulturellen und gesellschaftlichen Herausforderungen haben in Bezug auf die Stellung der Väter im Familienleben zu einem Wechsel der Perspektive geführt. Heute sind sie während der Schwangerschaft, der Geburt und in der Zeit danach immer häufiger an der Seite der Mütter anzutreffen. Dabei unterstützen sie nicht nur ihre Partnerin. Vielmehr spielen sie berechtigterweise ab Beginn der Schwangerschaft eine aktive und anerkannte Rolle. Obwohl noch viel zu tun bleibt, wirkt sich dieses Bewusstsein auf die Praxis der Gesundheitsfachpersonen aus. 

Eine Privatsphäre, in der sich die Männer engagieren

Während Jahrhunderten waren Kinderbetreuung und Hausarbeit traditionellerweise Aufgaben der Frauen. Die patriarchalische Kultur des Westens führte dazu, dass die Männer ihr Leben und ihre Arbeit weit entfernt von der Familie verbrachten. In einem sich ständig verändernden sozialen Umfeld übernehmen die Frauen seit einige Jahrzehnten allmählich Aufgaben im öffentlichen Raum und die Männer setzen sich vermehrt für das Familienleben ein. So entdecken sie eine neue, engagiertere und intimere Vaterrolle.

Co-Elternschaft ab der Geburt

Die Co-Elternschaft kann nicht verordnet werden. Es handelt sich um einen Prozess, der sich schrittweise gemeinsam mit den Beziehungen innerhalb der Familie entwickelt. Gemäss Sonia Baziz Boisset, Psychologin – Psychotherapeutin FSP und Präsidentin des Vereins Être coparent, ist es wichtig, die jungen Eltern ab der Geburt ihres Kindes in Richtung einer gemeinsamen Elternschaft zu begleiten. «Man muss die Eltern, die Angehörigen und die Gesundheitsfachpersonen frühzeitig für die Möglichkeiten sensibilisieren, mit denen die Familien beim Aufbau einer Co-Elternschaft unterstützt werden können. Dazu gehören Gespräche über die mentale und emotionale Belastung sowie über die Aufteilung der Aufgaben. Oft können sich die jungen Eltern nicht vorstellen, wie stark die Ankunft eines Babys ihr Leben verändert. Ein gutes Gleichgewicht zwischen Mutter, Vater und Kind ist entscheidend für das Wohlergehen der ganzen Familie», fügt die Psychologin hinzu.

Aufmerksamere Gesundheitsfachpersonen

Seit mehreren Jahren beschäftigt sich das Spital Wallis mit dem Aufbau einer kollaborativen Arbeitskultur innerhalb seiner Institutionen. In diesem Zusammenhang ändern die Patientinnen und Patienten ihren Status und werden von Empfängerinnen und Empfängern zu Partnerinnen und Partnern. Die Fachpersonen haben die Bedeutung der Anwesenheit der Väter bei der Vorbereitung auf die Elternschaft und für das Wohlergehen des Kindes erkannt und fordern diese dazu auf, bereits zu Beginn der Schwangerschaft ihrer Partnerin eine aktive Rolle zu spielen.

Aude Juzan, Stationsleiterin Pflege der Pädiatrie im
Spitalzentrum des französischsprachigen Wallis (CHVR) kennt diese Entwicklung. « Die Väter sind immer häufiger bei ambulanten Sprechstunden und pädiatrischen Notfällen anwesend. Wir stellen vor Ort jeden Tag fest, dass sie Urlaub nehmen, um sich mit ihren Fragen direkt an die Fachärztinnen und Fachärzte zu wenden.»

Eine angepasste Betreuung nach der Geburt

Traditionellerweise waren früher die Versorgungsmodelle nach der Geburt auf die Beziehung zwischen Mutter und Kind ausgerichtet. Heute steht das Trio Mutter, Vater und Kind im Zentrum, wobei der Integration der Väter in die Versorgung nach der Geburt besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Mathieu Rabu, Pflegeverantwortlicher der Abteilung Geburtshilfe des CHVR und Vater von drei Kindern, betont: «Obwohl es für die Gesundheitsfachpersonen noch Möglichkeiten zur Weiterentwicklung gibt, werden die Väter heute von den Teams der Geburtshilfe als Partner, wichtige Unterstützer und wesentliche Ressourcen betrachtet. Sie werden aufgefordert, sich bereits direkt nach der Geburt aktiv an der Versorgung und an den Tätigkeiten in Zusammenhang mit ihrem Kind zu beteiligen

Die Versorgung in ständiger Entwicklung

Rui Manuel Miranda De Almeida, Pflegverantwortlicher der Abteilung Neonatologie des CHVR, hat sowohl in Portugal als auch in der Schweiz in Neonatologieabteilungen gearbeitet und die Entwicklung der Berufspraxis im Verlauf der Jahre beobachtet.

 «Die Väter sind heute viel häufiger anwesend und beteiligen sich an der Versorgung ihres Kindes. Sie sind zu eigentlichen “Caregivers” geworden und ihre Interaktion mit den Gesundheitsfachpersonen wird immer wichtiger. Als Pflegefachmann in Neonatologie und als Vater bin ich von der Bedeutung dieser Veränderung überzeugt und ich bin stolz, Teil dieses Berufs zu sein, der sich in ständiger Entwicklung befindet», erläutert er.

«Als Eltern können wir manchmal Fehler machen. Es ist jedoch entscheidend, dass wir aus diesen Fehlern lernen. Als Gesundheitsfachpersonen müssen wir uns an die Entwicklung der Versorgungspraxis anpassen, damit wir die Eltern besser in ihrer Rolle unterstützen können», fügt Mathieu Rabu, Pflegeverantwortlicher der Abteilung Geburtshilfe des CHVR, hinzu.

Die Bedeutung des Vaterschaftsurlaubs

Der Vaterschaftsurlaub spielt bei der Integration der Väter in die Versorgung nach der Geburt eine wichtige Rolle. «Die Väter können in den ersten Tagen nach der Geburt bei ihrem Kind sein. Dieser Umstand kann die Familiendynamik verändern und den Übergang zu diesem neuen Lebensabschnitt erleichtern. Wir stellen auch fest, dass sich die Aufenthaltsdauer im Spital verkürzt hat», betont Mathieu Rabu, Pflegeverantwortlicher der Abteilung Geburtshilfe.

Seit mehreren Jahren beschäftigt sich das Spital Wallis mit dem Aufbau und der Entwicklung einer kollaborativen Arbeitskultur innerhalb seiner Institutionen. Zusätzlich zur interprofessionellen und interinstitutionellen Zusammenarbeit geht es darum, die Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen einzubeziehen, da die meisten von ihnen innerhalb des Gesundheitssystems eine aktive Rolle spielen und sich an den Entscheidungen in Zusammenhang mit der Versorgung beteiligen möchten.
In diesem Sinn fand am 1. Februar 2023 die Vernissage der MenCare-Ausstellung «Papas en Suisse» statt. Im Rahmen des Patientenforums wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Verband maenner.ch und dem Verein Etre co-parent sowie mit der wertvollen Unterstützung von Psy-Gesundheit.ch eine Podiumsdiskussion zur Frage «Welche Stellung und welche Rolle für die künftigen Väter?» organisiert.

Dieser Artikel ist aus den Gesprächen der künftigen Väter und Mütter mit den Gesundheitsfachpersonen an dieser Veranstaltung entstanden.


Nützliche Links
Verband maenner.ch
Verein Être Coparent – Verein Être co-parent (etre-coparent.ch)
Psy-Gesundheit.ch

Über den Autor/die Autorin

Francesca Genini-Ongaro

Collaboratrice spécialisée en communication