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Tiergestützte Therapie: eine Begegnung der besonderen Art

La thérapie assistée par l’animal

Die Somatische Ergotherapie am SZO behandelt unter anderem Patientinnen und Patienten der Klinik Geriatrie und Rehabilitation: Der Mensch soll nach einem Unfall oder einer Erkrankung die grösstmögliche Selbstständigkeit wieder erreichen, um den individuellen Alltag zu meistern und generell seine Lebensqualität zu verbessern. Die tiergestützte Therapie leistet dazu seit fünf Jahren einen wertvollen Beitrag. Im Bericht und Video erfahren Sie mehr über diese schöne Hund-Mensch-Begegnung.

«Die Ergotherapie mit dem lebenden und süssen «Therapiemittel» Hund ist eine Alltagsaktivität der besonderen Art. Die Erkrankung oder Verletzung sowie die Ergotherapeutin geraten bewusst in den Hintergrund und es entsteht meist eine liebevolle Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier, die nicht minder anstrengend als eine klassische Therapieeinheit ist, jedoch mit einer hohen Motivation und Freude einhergeht.»
Jolien Verhulst, Ergotherapeutin Somatische Ergotherapie & Aktivierung am SZO in Brig

Das interdisziplinäre Team der Geriatrie/Rehabilitation (siehe Kasten) will die Rückkehr der Patientinnen und Patienten in ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben gewährleisten, trotz oder nach einer Erkrankung oder einem Unfall. Die Ergotherapie ihrerseits legt dabei den Fokus auf die Alltagshandlungen der Person: «Wie sieht Ihre Wohnung aus? Wie weit ist es bis zur nächsten Einkaufsmöglichkeit? Welche Hilfsmittel benötigen Sie in der Küche, beim Waschen und Anziehen oder bei der Ausführung eines Hobbys?» Die Ergotherapeutin stellt diese und viele weitere Fragen. «Der Mensch soll mit seinen Händen wieder tätig sein können, mobil sein und seinen Alltag selbst gestalten können», fasst Sophie Burgener, Leiterin Somatische Ergotherapie & Aktivierung SZO, das Ziel ihrer Arbeit zusammen. Zur klassischen Ergotherapie soll nun die tiergestützte Therapie zur Genesung beisteuern.

Das SZO wählt die hundegestützte Therapie

Die hundegestützte Therapie ist eine Form der tiergestützten Therapie. «Sie ist immer eine Ergänzung zu klassischen Therapieformen. Bei uns am SZO kommt Halix oder Alba, eine der beiden sanften, ausgebildeten Bernhardiner-Damen, zu Besuch», erklärt Jolien Verhulst, Ergotherapeutin SZOStudien und Fallbeschreibungen sprechen von einer Verbesserung der bio-psycho-sozialen Gesundheit verschiedener Patientengruppen, die mit einem Tier arbeiten dürfen. «Die tiergestützte Therapie kann einen positiven Effekt auf den Blutdruck, den Puls als Stressreduktion sowie auf das Wohlbefinden des Menschen oder die nonverbale Interaktion haben», bestätigt die Chefärztin Dr. Anke Baumgartner, Klinikleitung Geriatrie/Rehabilitation SZO.

Hund und Mensch: ein gutes Team

In der interdisziplinären Teambesprechung wird evaluiert, bei wem die tiergestützte Therapie sinnvoll wäre und die Patientinnen und Patienten werden darauf angesprochen, schildert die Leiterin der Somatischen Ergotherapie den Ablauf. «Oftmals sind tierliebende Personen erstaunt über die Frage, ob sie die Ergotherapie mit einem Hund durchführen möchten. Aber meist siegt die Neugier und sie lassen sich auf die Therapie ein. Die tiergestützte Therapie schenkt den Menschen einen Inhalt: Sie ist eine freudige, nonverbale Begegnung und lenkt vom Spitalalltag ab. Aber auch diese Therapie verfolgt das rehabilitative Ziel und ist keineswegs ‘nur Genuss’.» Es gebe auch nur wenig Ausschlusskriterien, die vorab abgeklärt würden. «Eine tiergestützte Therapie findet beispielsweise nicht bei immunkompromittierten, psychotischen oder aggressiven Patientinnen und Patienten sowie bei solchen mit ansteckenden Erkrankungen statt.
Zudem dürfen sie keine offenen Hautstellen oder Wunden haben und müssen die Hygiene-Vorschriften einhalten können. Das Wichtigste ist natürlich, dass sie keine Angst vor Hunden oder eine Allergie gegen Hundehaaren haben.»

«Die tiergestützte Therapie schenkt den Menschen einen Inhalt: eine freudige, nonverbale Begegnung. Aber auch diese Therapie verfolgt das rehabilitative Ziel und ist keineswegs ‘nur Genuss’».
Sophie Burgener, Leiterin Somatische Ergotherapie & Aktivierung am SZO in Brig

Halix oder Alba zu Besuch in Brig

Auch die Hunde müssen gewisse Voraussetzungen erfüllen. «Sie werden von der Fondation Barry (siehe Kasten) von klein auf ausgebildet, regelmässig gesundheitlich kontrolliert und bezüglich des Verhaltens beurteilt», versichert Sophie Burgener. Die Fondation Barry folgt den Qualitätsstandards für tiergestützte Interaktionen, ist Certo Dog zertifiziert und Mitglied der internationalen Association of Human-Animal Interaction Organizations. «Die Fachfrau für Tiergestützte Interventionen und die Ergotherapeutin halten sich strikte an die hygienischen Richtlinien des SZO, die eigens für die tiergestützte Therapie erstellt wurden.»

Eine Therapie dauert 30 Minuten und findet drei- bis viermal monatlich statt: je nach Wetterlage, draussen oder drinnen. «Bei schönem Wetter nutzen wir das Spitalareal, bei schlechtem ist ein Raum reserviert, der nach der tiergestützten Therapie sorgfältig gereinigt wird.» Mit dabei sind die Ergotherapeutin, eine ausgebildete Fachfrau für Tiergestützte Interventionen mit ihrem Therapiehund und die Patientenin/der Patient: «Wir besprechen vor der Sitzung das therapeutische Ziel für die Therapieeinheit, z.B. den spontanen Armeinsatz während der Therapie. Sie oder er wird dann aufgefordert, gezielt die betroffene Hand einzusetzen, um den Hund zu streicheln, zu bürsten oder ihm einen Spielball zuzuwerfen. Das Therapieziel wird in jede Handlung integriert, um mit dem Hund gezielt agieren zu können. Die Freude und Motivation sind gross: bei Zwei- und Vierbeinern. Am Ende der Therapie wird gemeinsam besprochen, wie und ob das Ziel erreicht wurde, um Folgeziele für die weiteren Therapien zu definieren, z.B. in der nächsten Morgenpflege beim Waschen des Oberkörpers die betroffene Hand einsetzen. So wirkt die tiergestützte Therapie noch lange nach», fasst Jolien Verhulst eine Hundetherapie-Sitzung zusam

«Der Hund kann eine eigene, sehr individuelle Beziehung aufbauen und Barrieren sanft durchbrechen, um den stationären Spitalalltag der Patientinnen und Patienten aufzulockern und ihnen Lebensfreude zu schenken.»
Dr. Anke Baumgartner, Klinikleitung Geriatrie/Rehabilitation und Chefärztin Rehabilitation SZO in Brig

Eine Hundetherapie-Sitzung mit Alba

Aufenthalt in der Klinik Geriatrie/Rehabilitation SZO: Diverse Ursachen, ein Ziel
Die Patientinnen und Patienten werden oft von einer anderen Abteilung oder einem anderen Spital in die Klinik Geriatrie/Rehabilitation ans SZO verwiesen. Aufgrund eines schweren Unfalles oder einer schweren Erkrankung sind sie zum Teil schon lange hospitalisiert: Dies zehrt an den Kräften und braucht viel Energie und Motivation, um den langen Genesungsprozess zu schaffen. Andere Patientinnen bzw. Patienten treten geplant ein, können den Zeitpunkt wählen und sich auf die stationäre Zeit einstellen. Es gibt auch Menschen, die rasch das gewohnte Umfeld zu Hause verlassen müssen, weil es zu Hause nicht mehr geht. Fazit: Die Dauer des stationären Aufenthalts ist variabel, kann kurz bis sehr lang sein. So vielseitig die Eintrittssituationen sind, so vielseitig sind auch die Ursachen des Aufenthalts in der Klinik Geriatrie/Rehabilitation des SZO.
Die Rehabilitation ist harte Arbeit. Ein interdisziplinäres Team aus Rehamedizinern oder Geriatern, Pflegefachpersonen, Ergo- und Physiotherapie, Logopädie, Aktivierung, Ernährungsberatung, Seelsorge und Sozialberatung begleiten die Menschen und arbeiten gemeinsam am Ziel der Rückkehr in ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben.
Nebst Patientinnen und Patienten der Klinik Geriatrie und Rehabilitation behandelt die Somatische Ergotherapie am SZO ambulant in den Bereichen Handtherapie, Schmerztherapie, Rheumatologie und Neurologie.
Weitere Inos unter Rehabilitation – Spital Wallis

Fondation Barry du Grand Saint Bernard
Nach der Gründung im Januar 2005 hat die Fondation Barry vom Geistlichen Orden der Chorherren vom Grossen Sankt-Bernhard die Zuchtstätte mit den berühmten Bernhardiner-Hunden übernommen. Seither ist die Stiftung Besitzerin der weltweit ältesten und bedeutendsten Zucht des Schweizer Nationalhundes. Die Non-Profit Organisation setzt sich für die Sicherung des Fortbestandes der berühmten und legendären Hunde vom Grossen Sankt-Bernhard und den Erhalt des typischen Hospiz-Hundes, dem Schweizer Nationalhund, ein. Die Stiftung hat es sich zudem zur Aufgabe gemacht, möglichst vielen Menschen durch Begegnungen mit Bernhardinern Freude zu bereiten. Sie trägt damit aktiv zu einer besseren Mensch-Hund-Beziehung bei.
In der Fondation Barry leben permanent ca. 30 Bernhardiner und in der Zuchtstätte werden pro Jahr durchschnittlich 20 Welpen mit Stammbaum geboren.
Weitere Infos unter www.fondation-barry.ch

Über den Autor/die Autorin

Diana Dax

Über den Autor/die Autorin

Francesca Genini-Ongaro

Collaboratrice spécialisée en communication